Gerade eben klärt sich die Sache bei Stern auf. Da scheint aber wohl noch mehr im Umlauf zu sein. Habt ihr zufällig noch ein paar alte Fotos ähnlicher Art? Die finden gerade reissend Absatz.
als ich heute mittag an ´nem Kiosk die Bild mit der Titelseite sah, habe ich mich eigentlich nicht gewundert. Denn die Truppe ist ja nun nicht dafür bekannt, daß sie es mit der Wahrheit genau nehmen, wenn sie mit einer "Topstory" kommen können.
Mit ein bißchen Nachdenken hätten sie darauf kommen müssen, daß sie mit heißer Luft über eine Person mit so großem Fankreis nicht weit kommen würden. Als es nun kam, wie es kommen mußte, reagierten sie mit Krokodilstränen. Mein Mitleid hält sich in ziemlich engen Grenzen.
Peter
P.S.
Der Wortlaut Deiner Titelzeile "Bild lügt mal wieder" impliziert, daß Du sie nur sporadisch zu Gesicht bekommst - davon, daß sie ihr Erscheinen zwischenzeitlich vorübergehend eingestellt hätte, ist mir nämlich nichts bekannt geworden.
Stimmt, ich lese sie gar nicht, hab sie aber im Vorbeigehen mit dem Riesenaufmacher gesehen. Hab mir echt die Augen gerieben, weil da wirklich nix mit den letzten Fotos übereinstimmte.
Es sind aber auch andere Zeitungen darauf reingefallen und auch der angeblich so renommierte Fotograf, der die Bilder an die Medien lanciert hat. Ja schaltet da Keiner mehr sein Gehirn ein?
Na vermutlich reicht es, wenn die Auflage mal wieder stimmt und das Honorar. (Kopfschüttel). Im Moment ist diesebezüglich ohnehin der Grusel-Journalismus los. Den "Medien" ist inzwischen nix zu peinlich, um daraus nicht noch eine Meldung zu machen.
... Hab mir echt die Augen gerieben, weil da wirklich nix mit den letzten Fotos übereinstimmte.
"Fotobeschaffung" halt. Wenn man bei Bildblog liest, was im Zusammenhang mit dem Amoklauf in BW abging, wundert man sich über gar nichts mehr. Den "irrtümlich" abgebildeten Jungen kannten nur die paar Leute aus seinem Dorf, hier hat man es aber mit einem Künstler zu tun, dessen Lebenslauf Hunderte in Deutschland besser kennen als dieser selber. Gegen Dummheit gibt´s kein Mittel ...
Zitat:
Es sind aber auch andere Zeitungen darauf reingefallen
Die gerechte Strafe für alle, die meinen, mit der Bild konkurrieren zu müssen ...
Zitat:
und auch der angeblich so renommierte Fotograf, der die Bilder an die Medien lanciert hat.
Wieso? In so einer Situation bietet logischerweise jeder erstmal alles an, was er zu der konkreten Person im Archiv hat, das ist ja völlig normal. Da werden dann auch Bilder aus der Kindheit rausgekramt. Dafür, daß eine Zeitung hergeht und dreist behauptet, die Bilder seien keine zwölf Stunden alt, kann ein Fotograf nichts. Und selbst, wenn dieser die Behauptung aufgestellt hätte, wäre jede Redaktion selbst schuld, die anstatt nachzudenken und zu recherchieren nur noch wie ein Fisch vor dem Blinker reflexartig zuschnappt.
Zitat:
Ja schaltet da keiner mehr sein Gehirn ein?
Wie kommst Du darauf? Wir leben im Jahre 2009 n. Chr., die Redaktionen sind zum Teil soweit ausgedünnt, daß zeitweise keiner mehr ans Telefon geht. Man könnte bedenkenlos auf einen Teil der Blätter verzichten, weil viele ohnehin die Redaktionssekretärin nur von der Konkurrenz abschreiben lassen, wenn zwischen Verkehrsunfällen und PR-Meldungen noch Platz gestopft werden muß. Zum Denken nimmt man sich da einfach nicht mehr die Zeit, zumal das mit Mühe verbunden wäre.
Zitat:
Na vermutlich reicht es, wenn die Auflage mal wieder stimmt und das Honorar. (Kopfschüttel). Im Moment ist diesbezüglich ohnehin der Grusel-Journalismus los.
Was ist vom Journalismus alter Schule heute noch übrig? Man hat längst alle Grundsätze über Bord geworfen.
Solange die Eigner mit den Einnahmen aus Zeitungsverkäufen und Anzeigen irgendwie noch Gewinne erzielen können, ist es im Grunde völlig egal, was im Blättche drinsteht. Kommen wir aber in die Situation wie in den Staaten, daß die Herausgabe einer Zeitung als selbstlos und gemeinnützig eingestuft werden und die Chose wie hierzulande beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk mittels als Gebühren getarnter Steuern finanziert werden soll, müssen auch Mindeststandards zur Qualität der Inhalte her und notfalls auch Chefredakteure in die Wüste geschickt werden, die sich an diese nicht halten wollen.
Zitat:
Den "Medien" ist inzwischen nix zu peinlich, um daraus nicht noch eine Meldung zu machen.
Eigentlich keine neue Erkenntnis, oder?
Inzwischen gehen manche auf den Onlineportalen wohl dazu über, irgendwie interessant erscheinendes Material völlig unabhängig von irgendeiner Meldung anzubieten. Die Abwesenheit jeglichen Nachrichtenwertes bedeutet zwar einerseits, daß dabei auch keine Falschmeldungen und Halbwahrheiten unter die Leserschaft geworfen werden, drängt aber auf der anderen Seite dann die Frage auf, ob es sich dabei tatsächlich noch um redaktionelle und nicht um gewerbliche Nutzung handelt.
Der betreffende Fotograf ist nicht mehr auffindbar, die Bildagentur, die seine Bilder verkauft hat, am Boden zerstört.
Was mich nur wundert, weil wir gerade dabei sind:
Der Fotograf hat die Bilder nicht selbst geschossen, ist also auch nicht der Urheber. Es gibt ausdrücklich keine EXIFs, an denen das Erstellungsdatum ersichtlich wäre. Wie kommt derartiges Material überhaupt in eine BA und weiter? Angeblich hat sich die BA nur auf den Namen des Fotografen verlassen- dieser und anderen Agenturen braucht er in Zukunft wohl nix mehr anbieten, zumal sein Name in diesem Zusammenhang ebenfalls durch die Presse geht.
Wie ist das eigentlich mit dem Schaden für so eine BA? Müssen die für Schadensersatz gerade stehen, wird deren Bildmaterial zukünftig nicht mehr berücksichtigt, hält sich die BA an den Fotografen, so sie ihn denn zu fassen kriegt? Ich kann mir kaum vorstellen, dass es bei allseitiger Scham und Peinlichkeit bleibt.
Da werden Fotos von irgendwelchen Leuten aufgekauft und dann weiter verhökert. Das ist wohl der Aktualität geschuldet- da unterbleibt selbst eine einfache Plausibilitätsprüfung. Da Niemand zurück stehen wollte, haben Viele schnell zugegriffen und müssen noch schneller ihre Berichtigungen und Entschuldigungenrausschicken.
Geändert von Goodie (30.06.2009 um 02:18 Uhr).
Grund: Nachtrag
Dem Stern kommt so diese Geschichte auf jedem Fall sehr gelegen - sie hilft der Redaktion bei der Bewältigung des immerwährenden Kujau/Hitler-Tagebücher-Traumas.
Das ist einfach eine peinliche Panne - die eigentlich jedem Fotoredakteur sofort hätte auffallen müssen, der die Hand bzw. das Auge am Puls der Zeit hat...
Wie Michael Jackson aktuell aussieht, weiß man von aktuellen Michael Jackson-Fotos. Wer nicht mal soviel Bildgedächtnis hat, um sofort zu erkennen "Moment mal - das kann nicht stimmen!" - der ist im falschen Job.
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"Kopf oder Rumpf als abgetrennte Teile des Körpers gelten als Leiche." (§ 2 Gesetz über das Leichen-, Bestattungs- und Friedhofswesen des Landes Schleswig-Holstein) -- me and myself at deviantart
Stimmt, Tom.
So wie ich die Augen aufgerissen habe, hätte das jedem Fachmenschen auffallen müssen. Aber da hat sich einer auf den anderen verlassen, der Fotograf auf die Bildlieferanten, die BA auf den Fotografen und die übrigen Redaktionen auf die Agentur. Offensichtlich war der vermeintliche Knüller "zu gut", um noch kritische Gedanken zwischen zu schieben oder nochmal exakt zu recherchieren.
Ohnehin wird aktuell nur noch auf Deibel komm raus Kohle gemacht, so lange das Thema noch heiss ist, denn in 6 Monaten kräht kein Hahn mehr danach. Was diesbezüglich an Geld in Umlauf gebracht wird, ist schon erstaunlich(Typische Schlagzeile:"Der ist tot mehr wert als lebendig".) Für mich ist so etwas "Abschreckungsjournalismus", weil ein Mensch öffentlich demontiert und zerfleddert wird, noch bevor er unter der Erde liegt, und alle noch ein letztes Mal an seinem Leid verdienen wollen.
Von daher sehe ich darin etwas mehr als eine peinliche Panne, von außen her gesehen. Für Insider mag es "business as usual" sein, aus meiner Distanz wirkt es eher abstossend.
Es gibt allerdings auch sehr gut recherchierte Hintergrundberichte, die das besondere Drama dieses Menschen nachvollziehbar und verständlich machen- ein Beispiel für gute Pressearbeit. Es kostet nur etwas Zeit, längere Artikel und Fotostrecken "durchzuarbeiten" und selbst nach zu denken. Da ist aber auf Redaktionsseite einiges an Mühe und auch Sorgfalt investiert worden, so wie ich es mir prinzipiell für die Berichterstattung wünsche. Es ist nur nicht jedes und vor allem Bildlesers Sache, sich ein differenziertes Bild von komplexen Vorgängen zu machen.